Autos d. 60er

Innere Angelegenheiten

Vom Minimalismus zur Mittelkonsole - Interieur im Wandel

Bei den Sportwagen setzte Mercedes jedoch bis 1971 (!) auf Blech-Armaturenträger.

Bleiben wir bei Opel, um exemplarisch die Entwicklung der Interieurs auch in den anderen Fahrzeugklassen zu beleuchten.

 

 

Beim 1962 eingeführten A-Kadett ist noch alles Blech, ebenso bei den frühen Rekord-Modellen.

 

 

 

Übrigens waren schon in den Sechzigern ausländische Marken bei der Ausstattung etwas großzügiger. So verfügt z. B. der Fiat 850 – als Kleinwagen – schon 1964 über ein voll verkleidetes Armaturenbrett. Gehölz und (angedeutete) Mittelkonsole sehen wir bei der Alfa Romeo Giulia bereits 1962. Andere Mittelklassewagen wie der Peugeot 404, der Fiat 125 oder der Renault R 16 haben einen ansprechend verkleideten Armaturenträger, wo VW, Opel und Ford noch „heilig’s Blechle“ zeigen.

Die 02er Reihe verfügte von Anfang an über ein vollverkleidetes Interieur mit Mittelkonsole.

... und bei den US-Autos

war halt alles etwas größer: 1964er Chevrolet Impala

They never (?) come back…

 

Gängige Bestandteile von Interieurs der 60er sind in der Folgezeit ganz verschwunden. Der Handbrems-Stockhebel (1) z. B. ward nie mehr gesehen.

 

Gleiches gilt für die ausgeschriebenen Bezeichnungen für Anzeige- und Bedienelemente (2). Da fragt man sich z. B. beim Opel P1 (3), ob diese bei Exportfahrzeugen in die jeweilige Landessprache übersetzt wurden.

Diese Eigenheit wirkt heutzutage fast rührend, genauso wie die Breitband- bzw. Walzentachos, die man sogar im Mercedes (4) vorfand (wo rein modischer Schnickschnack stets verpönt war).

 

Schon 1963 (d. h. noch vor Citroen) brachte Lancia den Walzentacho (5) – molto innovativo!

 

Den Vogel abgeschossen hat wohl Opel mit einem Breitbandtacho, dessen Anzeige je nach Tempo die Farbe von Grün über Gelb bis Rot wechselt (6). Ich erinnere mich, dass ich als Knirps im väterlichen Rekord Coupé (Bild s. „Weiterführendes“, unten) den Blick immer erst abwenden konnte, nachdem der Balken gänzlich in Rot übergegangen war!

 

 

Zaghafte Comebacks:

 

  • In Wagenfarbe lackiertes Blech am Armaturenträger wurde (m. W. zuerst im Coupé Fiat 1994) wieder aufgegriffen und hält sich seitdem zumindest bei Retro-Autos wie VW Beetle, Fiat 500 oder Mini.

 

  • Für ersteren ist sogar die Blumenvase (als Extra) fürs Armaturenbrett wieder lieferbar.

 

  • Die gute alte Lenkradschaltung wurde (bei Mercedes) zumindest als Automatik-Wählhebel reaktiviert.

Der Traum vom Auto / die Realität auf den Straßen

 

In den 60ern konnten sich immer mehr Menschen ein Auto leisten. Das Auto war aber noch längst kein Gebrauchsgegenstand für den kleinen Geldbeutel, vielmehr war es noch ein echtes Statussymbol. Wer damals gar Oberklasse fuhr, der „war wer“. Die Zahl der zugelassenen Autos jedenfalls stieg in den 60ern von 3,7 auf über 13 Millionen.

 

Der Durchschnittsverdiener strebte zumindest einen VW Käfer an. Der Klassiker von Volkswagen dominierte das ganze Jahrzehnt hindurch die Zulassungsstatistik, obwohl er (sorry, Käfer-Fans!) stilistisch und technisch schon in den frühen Sechzigern auf über-

Tabelle: BRD-Autoproduktion der 1960er Jahre:

Quelle: Werner Oswald, Deutsche Autos 1945 - 1975

Yesterday - die Seite für Fans der 60er Jahre

Das Auto in den Sechziger Jahren

legene Konkurrenten traf.

 

Neue Modelle der 60er eiferten – wie schon in den 50ern – dem amerika-nischen Design nach, wenn auch stets in wesentlich kleinerem Format.

 

Bei all der Begeisterung für das Auto in den Sixties darf aber nicht vergessen werden:

 

der zunehmende Straßen-verkehr brachte steigende Unfallzahlen mit sich.

 

Dass die Promillegrenze bei 1,5 und eine Gurtpflicht in ferner Zukunft lag, taugt nur für Unverbesserliche zur schönen Erinnerung.

 

Die absolute Zahl der Verkehrstoten war fünfmal so hoch wie heute – pro 100.000 zugelassene KFZ sogar haarsträubende 30 Mal!

 

Preise gängiger Automodelle

 

Prämisse für die Auswahl war, dass eine Baureihe über wenigstens 8 der 10 Jahre gebaut wurde und eventuelle Nachfolgemodelle hinsichtlich Größe & Leistung vergleichbar blieben.

 

Die Preise habe ich bewusst in DM belassen; was besagt es schon, dass man einen neuen VW Käfer für 2.400,-€ bekam? Der Unterschied zur Gegenwart wird deutlicher, wenn man bedenkt, dass 1960 der Durchschnittsverdiener ca. 1.850 Stunden arbeiten musste, um sich den Käfer zu leisten.

 

Heute bekommt er für die gleiche Leistung bereits einen BMW 318i. Ein einfacher Kleinwagen steht nach einem Viertel der genannten Arbeitsstunden vor der Tür - und ist dabei logischerweise ein um Längen besseres Auto als der historische Käfer!

Entwicklung der Kraftstoffpreise - inflationsbereinigt (Quelle: https:\\de.wikipedia.org)

Schon bei den Neuwagenpreisen wird erkennbar, dass Autofahren in den 60ern immer erschwinglicher wurde (moderate Preiserhöhungen in einem Jahrzehnt mit kräftigen Einkommenssteigerungen).

 

Ein ähnliches Bild zeigt zunächst die inflationsbereinigte (!) Entwicklung der Kraftstoffpreise, dem größten Einzelposten beim KFZ-Unterhalt.

 

Nach den Ölkrisen von 1973 und 1979 sollte das Tanken erst in der zweiten Hälfte der 80er wieder günstiger werden als in den Sixties.

 

Ab dem Preistief von 1988 gehts beim Benzin nur noch nach oben, Diesel hielt sich besser und sorgte - zusammen mit immer leistungsstärkeren Modellen - für den Siegeszug des PKW-Dieselmotors.

 

 

Diese Autos hatten in den 60ern ihre Markteinführung:

Autos im Straßenbild der Sechziger

Zu Beginn der Sechziger sehen wir beim Auto-Interieur noch das blecherne Erbe der vorigen Dekade – inklusive der obligatorischen Blumenvase! (Bild: Borgward Isabella, 1961)

 

 

 

Ein Armaturenbrett, das den Namen verdient, gibt es bei Mercedes ab 1959 mit der Einführung der Baureihe W 111, ab 1961 dann W 110 und W 112 (Heckflossen-Benz).

 

 

Ansonsten findet sich in der automobilen Premiumklasse zunächst noch der in Wagenfarbe lackierte Armaturenträger.

 

So kam der Opel Kapitän (Modell 1959) noch blechern daher, bis er 1964 abgelöst wurde.

 

Dennoch waren die Verkaufszahlen auf Augenhöhe mit dem Konkurrenten aus Stuttgart (man glaubt es kaum, Opel war mal sooo eine große Marke!).

 

 

 

 

Dagegen hatte Porsche für den 911er sogar Holzapplikationen im Angebot

Mit der KAD (Kapitän/Admiral/Diplomat) A-Reihe blieb man dem Designvorbild USA treu.

 

Aber hier hatte sich eben das neue sachliche Design mit geraden, schnörkellosen Linien bereits etabliert.

 

Beim Blick in den Diplomat A (s. Foto) muss selbst der Kenner zweimal hinschauen, um die Frage „Chevy, Buick oder Opel?“ beantworten zu können!

Hier geschieht der Wandel zum (teilweise gepolsterten) Kunststoff-Armaturenträger mit dem C-Rekord von 1966.

Nur ein Jahr später zieht man beim (inzwischen B-) Kadett im Zuge der Modellpflege nach.

Am unteren Ende der Traumwagen-Skala herrscht - besonders in der ersten Hälfte der Sixties - noch blanker Minimalismus – s. Fotos.

Sofern sich die Bedienung nicht von selbst erschloss, war zumindest die Betriebsanleitung stets „sehr übersichtlich“.

Irgendwann wird die Möglichkeit des bequemen „Durchrutschens“ zwischen den Vordersitzen mehr und mehr der Mittelkonsole - später kombiniert mit erhöhtem Mitteltunnel - geopfert.

 

Hauptgründe hierfür sind die Zunahme der Anzeige- und Bedienelemente sowie der Trend zu besser ausgeformten Einzelsitzen (Seitenhalt!), denen die Frontsitzbank bzw. die flachen aneinandergrenzenden Einzelsitze weichen.

 

Hier sehen wir diesen Wandel bei Ford: vom Taunus P3 („Badewanne“) über P5 bis zum P7 …

BMW unterscheidet bei den Armaturen der „Neuen Klasse“ (ab 1962) wie folgt:

 

1500 = Blech ohne Konsole /

1800 = Holz + Konsole

Fiat 125

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