Rückspiegel

911er einst und jetzt?

Da vergleicht man - technisch gesehen - natürlich Äpfel

mit Birnen (bzw. Hauskatze mit Gepard ) - aber:

hat es in den Sixties nicht viel mehr bedeutet,

sich einen Porsche leisten zu können?

Leasing gabs damals jedenfalls nicht!

 

 

Entwicklung der Verbraucherpreise:

Mit dem Titel „Sozialdemokratische Perspektiven im Übergang zu den siebziger Jahren“ veröffentlicht die SPD ein Arbeitspapier. Schwerpunkte des Programms sind de Forderungen nach Einführung von Gesamtschulen und betriebliche Mitbestimmung der Arbeitnehmer sowie eine Politik des Gewaltverzichts gegenüber den Ostblockstaaten.

 

10.01.1968: Die Großmächte Frankreich, Großbritannien und die USA kündigen den Abzug von etwa 50.000 alliierten Soldaten aus der BRD an. Großbritannien und Frankreich geben dafür vor allem finanzielle Gründe an, während sich für die USA auch das Engagement in Vietnam auswirkt. Bis Ende des Jahres sollten 33.000 US- Soldaten in ihre Heimat zurückkehren.

 

11.01.1968: Bei einer Kältewelle in den USA mit Temperaturen bis zu minus 33 Grad kommen 76 Menschen ums Leben.

 

Die NASA startet von der Raketenabschussbasis Vandenberg Air Force Base ihren zweiten geodätischen Forschungssatelliten GEOS-B.

 

12.01.1968: In der DDR werden das Reichsstrafgesetzbuch von 1871 und das Strafergänzungsgesetz durch ein neues Strafgesetzbuch abgelöst. Dieses verschärft Strafen für „politische Delikte“ und wird am 1. Juli 1968 in Kraft treten.

 

13.01.1968: In der Nacht zum 14. Januar führt ein sprunghafter Anstieg der Temperaturen von minus 20 Grad bis weit über Null Grad zu Überschwemmungen und einem völligen Zusammenbruch des Straßenverkehrs. Betroffen sind weite Teile Europas, die BRD und Dänemark.

 

15.01.1968: Auf einer Klausurtagung lehnt die SPD-Fraktion im Bonner Bundestag die Regierungsvorlage für die Notstandsgesetze ab.

 

Bei einem Erdbeben komme auf Sizilien 231 Menschen ums Leben, 263 werden verletzt.

 

16.01.1968: Eine zweijährige Versuchsreihe mit Datenverarbeitungsanlagen bei der Fahndung nach Verbrechern wird in der BRD abgeschlossen. Es wird nicht mit einer wesentlichen Steigerung der Aufklärungsquoten gerechnet.

 

17.01.1968: In Kambodscha beginnen die Roten Khmer ihren Guerillakampf gegen die Regierenden unter Prinz Norodom Sihanouk.

 

18.01.1968: In Aachen wird das Hauptverfahren gegen leitende Angestellte der Chemie Grünenthal GmbH, der Herstellerfirma des Schlaf- und Beruhigungsmittels Contergan, eröffnet. Das Medikament hatte bei Neugeborenen, deren Mütter Contergan während der Schwangerschaft eingenommen hatten, zu Missbildungen geführt.

 

19.01.1968: Etwa 1000 m unter der Wüste von Nevada wird von den USA die bisher stärkste Atomexplosion mit einer Sprengkraft von rund einer Milliarde Tonnen herkömmlichen Sprengstoffs ausgelöst.

 

22.01.1968: Ein Athener Berufungsgericht ermäßigt das Strafmaß gegen den Komponisten und ehemaligen Führer der Kommunistischen Lambrakis-Jugend, Mikis Theodorakis, von 23 auf 9,5 Monate. Damit wird die Voraussetzung für seine Amnestie geschaffen.

 

Von Cape Canaveral Air Force Station wird „Apollo 5“ zu einem unbemannten Testflug in eine Erdumlaufbahn gestartet. Die Mondlandefähre soll erprobt werden.

 

23.01.1968: Der für die Agrarpolitik verantwortliche EG-Kommissar Sicco Mansholt schlägt dem Agrar-Ministerrat Maßnahmen zum Abbau des europäischen Butterberges vor.

 

25.01.1968: Die Bundesregierung legt ihren ersten Jahreswirtschaftsbericht vor. Für 1968 wird - gegenüber einer Stagnation im Jahr 1967 - eine reale Steigerung des Bruttosozialprodukts um 4 % erwartet.

 

Der britische Posträuber Charles Wilson wird nach dreieinhalbjähriger Flucht in der Nähe von Montreal von Scotland Yard verhaftet. Wilson war am Postzug-Überfall vom 8. August 1963 beteiligt und im Sommer 1964 von seinem Komplizen in einer spektakulären Aktion aus dem Gefängnis befreit worden.

 

26.01.1968: In Lengede (Niedersachsen) kommen bei einer Explosion in der Erzgrube „Mathilde“ zwölf Bergleute ums Leben. Bereits im Oktober 1963 waren dort 29 Bergleute bei einem Grubenunglück gestorben.

 

27.01.1968: Bei St. Goar (Rheinland-Pfalz) fließen bei einer Kollision eines bundesdeutschen Tankschiffes mit einem niederländischen Schlepper mehr als 100.000 Liter leichten Heizöls in den Rhein.

 

28.01.1968: Lawinen und heftige Schneestürme führen zu katastrophenähnlichen Zuständen in der Schweiz und in Österreich. Dabei kommen 35 Menschen ums Leben.

 

Bei den vorolympischen Wettbewerben in Inzell (Bayern) stellt der bundesdeutsche Eisschnell-

läufer Erhard Keller über 500 m Sprint in 39,2 sec. einen neuen Weltrekord auf.

 

29.01.1968: Auf dem 19. Bundesparteitag der FDP in Freiburg im Breisgau wird Walter Scheel zum Parteivorsitzenden gewählt. Er löste Erich Mende ab, der acht Jahre lang im Amt war.

 

Nach zweiwöchigen Verhandlungen in Paris vereinbaren die BRD und Jugoslawien die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen. Diese waren 1957 von der BRD abgebrochen worden, weil zwischen Jugoslawien und der DDR Botschafter ausgetauscht worden waren.

 

Zum ersten Mal gelingt die Durchbohrung des etwa 2.500 m dicken Eismantels der Antarktis. Von dieser technischen Pioniertat erhofften sich die US- Wissenschaftler neue Aufschlüsse über die Erdgeschichte. Sie hatten sechs Monate für die Bohrarbeiten benötigt.

 

31.01.1968: Im Januar gab es in der BRD – lt. Mitteilung der Bundesanstalt für Arbeit – 672.617 Arbeitslose. Gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres ist dies eine Steigerung der Arbeitslosigkeit um 8,2 %.

 

Die Lebenshaltungskosten im Januar 1968 waren 1,4 % höher als im Januar 1967, so das Statistische Bundesamtes. Am stärksten haben sich die Kosten bei Dienstleistungen (etwa 6 %), Elektrizität (6,3 %) und Gas (9,9 %) erhöht.

 

Haushalte vor 50 Jahren: Telefon als Luxus – Radio als Standard

 

Begibt man sich auf Zeitreise zurück in die Jahre 1962/63, so wird schnell deutlich, wie sich die Ausstattung der Haushalte mit Gebrauchsgütern seitdem verändert hat. Anfang der 1960er Jahre besaßen gerade einmal 14 % der Haushalte ein Telefon und 34 % eine Waschmaschine. Einen Fernseher konnte sich damals ebenfalls nur ein gutes Drittel der Haushalte leisten – allerdings noch ohne Farbe, Fernbedienung oder Flachbildschirm.

 

Über einen eigenen Kühlschrank verfügte dagegen schon vor 50 Jahren gut die Hälfte der Haushalte. Damit gehörten Kühlschränke bereits zu den häufigsten Gebrauchsgütern in den Haushaltedieser Zeit. Noch weiter verbreitet waren damals lediglich Staubsauger und eindeutig an der Spitze: Radios. Auch wenn sich die Menschen zu Beginn der 1960er Jahre bereits die eine oder andere größere Anschaffung leisten konnten – der Besitz gleich mehrerer teurer Geräte war damals

Die Erkenntnisse hieraus:

 

dass die Staatsmacht nicht immer konform zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung agiert, ist kein Schreckgespenst der Linken, sondern wird hier objektiv erkennbar.

 

Der Missstand wurde allerdings vom Volk bemerkt und auf der Straße reklamiert. Die Bilder von den Protesten beeindrucken noch heute; sie zeigen (und das eben schon in den frühen Sixties!), dass die Zeichen auf Veränderung stehen.

 

Auch die nachfolgenden parlamentarischen und juristischen Konsequenzen setzten positive Signale. Abgesehen von der Belastungsprobe für den Grundwert der Pressefreiheit sehen wir eine gesellschaftliche Zäsur zwischen patriarchalischer Elite alter Prägung und neuer liberaler Avantgarde, die bereits zu Beginn der Dekade auf den „Showdown“ von 1968 verweist.

 

Somit hat die Spiegel-Affäre in der Nachbetrachtung der jungen Republik gutgetan und dem Geist der 60er alle Ehre gemacht!

 

Yesterday - die Seite für Fans der 60er Jahre

Herzlich willkommen auf der privaten Website von Johann Eibl aus Regensburg!

Foto © http://rv-bildertanz.blogspot.de; Quelle: Martin Klaus

Dies ist die private Homepage eines erklärten Fans der 1960er Jahre. Für mich (*1963) sind die Sixties - ohne sie verklären oder verkitschen zu wollen - wie ein köstliches Buffet, bei dem ich zu kurz kam, weil ich zu spät dran war.

 

Zugegeben: PC und Internet sind die gewaltigsten Innovationen, die ich in meinem Leben erfahren habe – natürlich würde ich sie nicht mehr missen wollen. Davon abgesehen könnte ich aber auf das meiste der - teils fragwürdigen – Errungenschaften verzichten, die unser Leben inzwischen „bereichern“.

 

Klar war auch das Leben in den Sixties kein Ponyhof, der Lebensstandard natürlich niedriger als heute. Jedoch behaupte ich, dass die Verteilungsgerechtigkeit (nicht global aber innerhalb der führenden Industrienationen) größer war als heute – ist dieser Punkt nicht der wichtigere?

 

Auch die Bedrohung durch Kriege war schon damals allgegenwärtig – aber haben wir hier nennenswerte Fortschritte erzielt?

 

Jedenfalls werde ich auch weiterhin an dieser Stelle die Welt der 1960er Jahre beleuchten und bleibe gespannt auf Kontakte zu Leuten, die dieses Interessengebiet mit mir teilen.

 

Der monatlich aktualisierte "Rückspiegel" erscheint gleich nach dieser Einleitung und richtet hierbei den Fokus darauf, was vor 50 Jahren war. Natürlich werden auch die übrigen Inhalte weiter bearbeitet, so dass es sich auch hier lohnt, immer mal wieder reinzuschauen!

 

 

 

Hier aber erstmal der…

 

Der Monat vor 50 Jahren

Seit 1.3.2016 fallen die Tage genauso wie vor 50 Jahren. Das bleibt so bis Febtuar 2018!

01.01.1968: In der BRD wird die Mehrwertsteuer eingeführt. In den übrigen Ländern der Europäischen Gemeinschaft gelten bereits ähnliche Steuerregelungen. In der BRD beträgt sie 10 %. Für bestimmte Nahrungsmittel, Druckerzeugnisse usw. wird sie auf 5 % ermäßigt.

 

Die Versicherungspflichtgrenze in der Angestelltenversicherung wird aufgehoben, womit nun alle Angestellten unabhängig von der Einkommenshöhe versicherungspflichtig werden.

 

02.01.1968: Im Groote-Schuur-Hospital von Kaptstadt hat der Chirurg Christiaan Barnard eine zweite erfolgreiche Herztransplantation durchgeführt. Er hat dem 58-jährigen Zahnarzt Philip Blaiberg das Herz eines tödlich verunglückten Schwarzen eingepflanzt.

 

04.01.1968: Das Lebensmittel-Filialunternehmen Cornelia Stüssgen in Köln fordert flexiblere Ladenöffnungszeiten im Einzelhandel. Der starre Ladenschluss um 18:30 Uhr wird als überholte Regelung bezeichnet.

 

In den bundesdeutschen Kinos wird zum ersten Mal der deutsche Spielfilm „Zur Sache Schätzchen“ von May Spils aufgeführt. In der Hauptrolle ist Uschi Glas zu sehen.

 

05.01.1968: Anstelle von Staats- und Parteichef Antonin Novotný wird Alexander Dubcek Erster Sekretär des Zentralkomitees der KPCSSR. Dubcek war vorher Führer der slowakischen Kommunistischen Partei (KP).

 

07.01.1968: Um sich von dem bekannten Musiker und Komponisten Ravi Shankar in indischer Musik unterweisen zu lassen, reist der „Beatles“-Musiker George Harrison nach Indien. Im Februar folgten ihm Paul McCartney, Ringo Starr und John Lennon nach Rishikesh. Sie lassen sich bei dem Guru Maharischi Mahesch Jogi in der „Kunst der transzendentalen Meditation“ unterweisen.

 

08.01.1968: In ihrem Frühjahrskatalog bietet die Firma Quelle als erstes Versandhaus ein umfangreiches Sortiment an Tiefkühlkost an. Die Artikel werden mit Spezialkühlwagen direkt frei Haus an den Verbraucher geliefert.

 

09.01.1968: Die Westdeutsche Rektorenkonferenz (WRK) hat in Bonn einen Plan zur Reform der bundesdeutschen Universitäten vorgelegt, in dem sie eine Mitbestimmung der Studenten fordert.

 

Geboren im Januar 1968:

2. Januar: Cuba Gooding Jr., US-amerikanischer Schauspieler

2. Januar: Hannes Trinkl, österreichischer Skirennfahrer

5. Januar: DJ BoBo, Schweizer DJ und Popmusiker

12. Januar: Heather Mills, britisches Model

23. Januar: Petr Korda, tschechischer Tennisspieler

29. Januar: Susi Erdmann, deutsche Rodlerin und Bobpilotin

30. Januar: Felipe VI., spanischer König

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Song des Monats: Manfred Mann - Mighty Quinn

 

 

Der Song von Bob Dylan aus dem Jahr 1967 wurde (von ihm selbst erst 1970) erstmals von Manfred Mann am 12. Januar 1968 veröffentlicht. Er kam in vielen Ländern auf Platz 1 der Charts, darunter Großbritannien und Deutschland, und verkaufte sich weltweit über zwei Millionen Mal.

 

Manfred Mann waren eine britische Beatband, die von 1962 bis 1969 existierte - somit ist sie eine reine 60er-Jahre-Erscheinung, deren Name identisch ist mit dem des Gründungsmitglieds und Keyboarders Manfred Mann. Dieser ist mit 77 immer noch aktiv (Manfred Mann’s Earth Band & andere Projekte).

 

Mighty Quinn wurde vielfach gecovert, unter anderem von The Ventures (1968), The Hollies (1969), Grateful Dead (2005), Wolfgang Niedecken (als Quinn, dä Eskimo, 1995), Johnny Logan (2004), zuletzt 2017 von der Schweizer Rockband Krokus.

 

Der Titel kam auch im Soundtrack des gleichnamigen Films mit Denzel Washington (1989) vor, auch bekannt unter 'Big Bad Man' (dt.: 'Sein Freund der Mörder').

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Blick zurück auf die Sixties im Allgemeinen...

 

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= Link zu YouTube

Sehen wir uns zunächst mal einige Fakten an, die uns helfen sollen, den gewaltigen Wandel zu erfassen, den Wirtschaft und Gesellschaft seit den 60er Jahren erfahren haben...

Auto, Spülmaschine, Flachbildfernseher: Standard oder Luxus?

 

Das waren noch Zeiten – die 1960er Jahre: Handarbeit beim Wäschewaschen und Geschirrspülen, der Kaffee wurde erst in der Mühle gemahlen und dann mit Filter über der Kanne aufgebrüht, und samstags lief das Radio mit den Sportübertragungen. Die Anschaffung einer Waschmaschine, eines Geschirrspülers oder eines Fernsehers stand für die Haushalte damals sicherlich ganz oben auf dem Wunschzettel.

 

Die Haushalte heute haben einen anderen Schwer­punkt. Was früher eine Neuheit war, gehört heute zum Standard; gefragt sind vor allem technische Innovationen in der Unterhaltungselektronik, Internet, mobile PCs und Handys. Insbesondere Haushalte mit Kindern sind dies­bezüglich gut ausgerüstet und auch die ältere Generation holt auf.

 

Was für unsere Eltern oder Großeltern früher noch kostbarer Luxus war, ist für die Mehrheit von uns heute bereits eine Selbstverständlichkeit geworden: Telefon, Kühlschrank, Fernseher und Waschmaschine gehören mittlerweile in den meisten Haushalten in Deutschland zur Standardausstattung. Das ist bemerkenswert, weil es in Deutschland immer mehr Haushalte gibt, in denen aber im Schnitt immer weniger Menschen leben.

 

Allerdings besitzt nicht jeder Haushalt eine solche Grundausstattung, ganz zu schweigen von technischen Neuheiten wie mobilen PCs oder Flachbildfernsehern. Was konnten sich die Menschen vor 50 Jahren eigentlich leisten und wie sieht es heute aus?

 

 

 

eher selten. Gerade einmal 13 % der Haushalte verfügten früher zum Beispiel über die Kombination aus Fernseher, Kühlschrank und Waschmaschine. Zum Vergleich: Heute gehören diese drei Geräte, einschließlich Telefon, in 90 % der Haushalte zur Standardausstattung.

 

 

In 50 Jahren vom Luxus zum Standard

 

Während im Vergleich der einzelnen Gebrauchsgüter nahezu 100 % der Haushalte heute über Telefone und Kühlschränke sowie 95 % über Fernsehgeräte verfügen, waren diese Geräte vor 50 Jahren bei weitem nicht in jedem Haushalt vorhanden: Ein Telefon besaßen lediglich 14 % der Haushalte, ein TV-Gerät 34 % und einen Kühlschrank gab es nur in jedem zweiten Haushalt (52 %). Radios (79 %), Staubsauger (65 %) und mechanische Nähmaschinen (47 %) waren dagegen Anfang der 1960er Jahre am weitesten verbreitet.

 

Was Anfang der 1960er Jahre als Neuheit galt, wurde inzwischen vom Zeitgeist überholt und den technischen Innovationen der Gegenwart abgelöst. Damals gab es in 13 % der Haushalte eine Küchenmaschine; heute steht in 71 % der Haushalte eine Mikrowelle. Einen Plattenspieler besaßen Anfang der 1960er Jahre knapp 18 % der Haushalte. Anfang 2013 waren CD-Geräte bereits in 85 % der Haushalte vorhanden. Vor 50 Jahren verfügten 42 % der privaten Haushalte über einen Fotoapparat, heute sind es mit 84 % doppelt so viele Haushalte und 73 % können digital fotografieren.

 

In den vergangenen 50 Jahren haben sich auch die Haushaltsstrukturen deutlich verändert: Während heute 75 % der Haushalte Ein- oder Zweipersonenhaushalte sind, traf das Anfang der 1960er Jahre nur auf 46 % der Haushalte zu. Besonders stark setzte sich in diesem Zeitraum der Trend zum Alleinleben durch: Seit Anfang der 1960er Jahre hat sich der Anteil der Einpersonenhaushalte von damals 19 % auf heute 40 % mehr als verdoppelt.

 

Anfang 2013 wohnten in Deutschland gut 22,8 Millionen Haushalte zur Miete, während rund 17,2 Millionen Haushalte im eigenen Heim lebten. Damit lag die Wohneigentümerquote bei 43 %. Mieterhaushalte setzten sich im Schnitt aus 1,7 Personen und Eigentümerhaushalte aus 2,4 Personen zusammen. Pro Kopf stand Mietern durchschnittlich eine Wohnfläche von 40 Quadratmetern und Eigentümern von 50 Quadratmetern zur Verfügung.

Quelle: Destatis (Statistische Bundesamt)

… auf gut Deutsch:

 

Im Lauf von zwei Jahrzehnten (50er und 60er Jahre) hat sich der Lebensstandard gut verdreifacht (genauer Faktor: 3,35).

 

So atemberaubend dieses Wachstum erscheint: man darf nicht vergessen, was die Ausgangssituation war.

 

Volkswirtschaftlich gesehen ist es keine Neuigkeit, dass derart nachhaltige Boomphasen überhaupt nur nach Kriegen und großen Naturkatastrophen möglich sind.

 

Ausreißer Kabeljau, ansonsten ein klares Bild

 

Wie man sieht, sagt der direkte Preisvergleich nach 50 Jahren überhaupt nichts aus, abgesehen davon, dass die in der Tabelle angegebenen Lebensmittelpreise von 2009 noch heute von den Discountern locker unterboten werden.

 

Interessant ist dagegen der Blick auf die Arbeitsminuten, die man für eine Ware einsetzen musste. Er zeigt, dass man 1960 beim Einkauf zwingend Prioritäten setzen musste - zwischen Waren, die wir heute ganz selbstverständlich nebeneinander in den Einkaufswagen packen.

 

Einzige Ausnahme ist der Kabeljau: in den 60ern noch ein Essen für Sparsame ist er – wegen durch Überfischung dezimierter Bestände – inzwischen zum Luxus geworden…

 

Autopreise der 60er sowie Entwicklung der Kraftstoffpreise s. "Autos d. 60er"

Der Arbeitsmarkt

Zu beachten: die Entwicklung in den Sixties wird von den Zahlen zwischen 1960 und 1970 beschrieben, d.h. die 60er sind das paradiesische Jahrzehnt für den Arbeitsmarkt!

Erschreckend der Schwund in der Spalte "Unternehmertätigkeit" - die Großen fressen die Kleinen!

Zugegeben, da war auch noch die "Wirtschaftskrise" von 1966/67 - deren Eckdaten treiben einem aber aus heutiger Sicht allenfalls Tränen der Rührung in die Augen! (s. auch unten, hier: "Wirtschaftswunder")

Verliebt, verlobt,...

Seit 1960: geheiratet wird heute nur noch halb soviel, dafür wird mehr als doppelt so oft geschieden...

 

Seid fruchtbar und ... denkt an die Rentner!

Das Jahrzehnt insgesamt bringt bezüglich Bevölkerung nochmal ein deutliches Wachstum.

Konzeptbedingt ist unser Rentensystem auf ein kontinuierliches Bevölkerungswachstum ange- wiesen.

Ein zukunftsträchtiger Faktor stand bei Inkrafttreten der Rentenreform von 1957 leider noch nicht auf dem Tableau: die Antibabypille kam in Deutschland vier Jahre später auf den Markt.

Die Grafik zeigt Mitte der Dekade das Ende des Babybooms, eingeleitet durch den "Pillenknick"...

Namen:

Hier sehen wir (v. a. bei den Jungs) eine beeindruckende Konstanz bis 1967, dann ein revolutionärer 68er-Ausreißer und eine "Rückbesinnung" 1969 - amüsant!

Was macht die Sechzigerjahre so spannend?

 

Blickt man aus heutiger Sicht auf die gut sieben Jahrzehnte zurück, die seit dem Ende des 2. Weltkriegs vergangen sind, so stehen die 60er in besonders hohem Maß für Umbruch - und zwar in vielerlei Hinsicht.

 

Die Jugend der Sixties ist bereits eine reine Nachkriegsgeneration; sie stellt die für Biederkeit, Doppelmoral und unbewältigte Vergangenheit stehende Adenauer-Ära kritisch in Frage.

 

Wie turbulent diese Dekade wirklich war, kann man zudem an der Tatsache erkennen, daß (bisher ein Unikum in der Geschichte der BRD) drei Kanzlerwechsel - bei insgesamt sieben verschiedenen Regierungskabinetten - stattfanden. Mit den 60ern endet auch das "Abo" der CDU als Regierungspartei - erstmals seit Gründung der Bundesrepublik!

 

Exemplarisch möchte ich nachfolgend - ohne Anspruch auf Vollständigkeit - einige Ereignisse aus dieser Zeit herausgreifen, die nicht nur die 60er kennzeichnen, sondern m. E. auch für den weiteren Verlauf der Geschichte prägend waren.

 

Ausdrücklich weise ich darauf hin, dass

 

Bewertungen der dargestellten Ereignisse nur meine subjektive Sicht der Dinge wiedergeben; diese will ich niemandem aufdrängen, sondern vielmehr zu kontroversen Diskussionen via Kontaktformular einladen!

 

Sich meine Darstellung Deutschlands auf die alten Bundesländer beschränkt, da ich mich als Wessie nicht für kompetent halte, die Verhältnisse in der DDR darzustellen.

 

 

 

 

Die nachfolgenden Themen sind mit den Sechzigerjahren untrennbar verbunden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann für die westeuropäische Wirtschaft - in einen Aufholprozess gegenüber den USA - ein rasanter wirtschaftlicher Aufschwung. Insbesondere in der Bundesrepublik Deutschland wurde ein unerwartet schnelles und nachhaltiges Wirtschaftswachstum erreicht.

Das Wirtschaftswunder verlieh den Deutschen nach den Schrecken des Zweiten Weltkrieges und dem Elend der unmittelbaren Nachkriegszeit ein neues Selbstbewusstsein.

Eigentlich handelte es sich bei dem starken Wirtschaftswachstum der 1950er und 1960er Jahre um ein gesamteuropäisches Phänomen (Nachkriegsboom). Die europäischen Unternehmen konnten sich dabei am Vorbild amerikanischer Unternehmen orientieren.

 

Der Aufholeffekt stellte sich quasi im Windschatten der führenden USA ein. Nachdem das Produktivitätsniveau der amerikanischen Volkswirtschaft erreicht war, trat die westeuropäitsche Wirtschaft Anfang der 1970er Jahre aus diesem Windschatten heraus, so dass Wachstumsraten wie in den 1950er und 60er Jahren nicht mehr möglich waren.

 

Im Herbst 1973 beendete die Ölkrise endgültig die goldenen Zeiten des Wirtschaftswunders.

Die Sechzigerjahre stehen hierbei für dessen Höhepunkt - allerdings auch für erste Vorboten von dessen Ende! Prof. Dr. Ludwig Erhard (damals gab’s in der Politik noch viele Fachleute), Wirtschaftsminister und "Vater des Wirtschaftswunders" mahnte bereits 1962, die Deutschen dürften nicht der Maßlosigkeit verfallen. 1961 hatten nämlich die bundesdeutschen Lohnkosten, die der westeuropäischen Konkurrenten weit überholt; das Bruttoeinkommen des Arbeitnehmers gegenüber dem Vorjahr war um durchschnittlich 10,1 % gestiegen, die Arbeitsproduktivität jedoch nur um rund 5 %, eine Lohn-Preis-Spirale zeichnete sich ab.

Tatsächlich kam es 1966/67 zu einer Mini-Rezession: 1965 war das Bruttosozialprodukt noch um 5,7% gegenüber dem Vorjahr gestiegen, 1966 nur noch um 2,8 % , 1967 fiel es sogar um 0,2%. Dies war wohl schockierend genug, um von einer Wirtschaftskrise zu sprechen (vgl. "Rückspiegel": einst & jetzt). Später sprach man nur noch von einer "Reinigungskrise" als heilsame, notwendige Anpassung nach übersteigerten Investitionsphasen.

Bau der Berliner Mauer

 

Noch am 15. Juni 1961 hatte Walter Ulbricht in einer Pressekonferenz geäußert: "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten. " Zwei Monate später standen bereits wesentliche Teile dieses unerhörten Bauwerks, das nun die Abriegelung West-Berlins vom DDR-Gebiet manifestieren sollte.

 

Dieser letzte und wohl symbolträchtigste Teil des eisernen Vorhangs sollte gut 28 Jahre Bestand haben.

 

Abgesehen von all dem menschlichen Leid, für das die Mauer steht, markiert sie auch die Kapitulation des Ostblocks vor dem konkurrierenden Gesellschaftssystem. Schließlich galt es , die galoppierende Abwanderung von ( v. a. gut ausgebildeten) Arbeitskräften in den Westen zu stoppen, die anders wohl kaum mehr beherrschbar gewesen wäre.

Später (1983) war Oberstleutnant Stanislaw Petrow in einer ähnlichen Situation: als Verantwortlicher im sowjetischen Frühwarnzentrum erklärte er einen Alarm (zunächst ohne Anhaltspunkt dafür) zum Fehlalarm, anstatt pflichtgemäß den atomaren Gegenschlag auszulösen. Wie viele ähnliche Fälle gab es wohl, von denen wir nie erfuhren?

 

Man mag sich nicht vorstellen, wie die Sache unter einem US-Präsidenten Reagan George W. Bush oder gar (Gänsehaut) Donald Trump ausgegangen wäre. Hatte die Menschheit einfach nur Dusel, dass mit JFK der richtige Mann zur rechten Zeit am rechten Platz war?

 

Die Kuba-Krise hat jedenfalls bewirkt, daß zuvor auf Eis gelegte Rüstungskontrollverhandlungen nicht nur wiederaufgenommen, sondern sogar noch intensiviert wurden. Bereits im Sommer 1963 wurde der Abschluss erster Vereinbarungen vollzogen.

 

Die Kuba-Krise

 

Jene zwei Wochen im November ‘62 haben in deprimierender Weise gezeigt, wie schnell eine Krise von einem der „Drittländer“, in denen so gerne die Stellvertrerterkonflikte ausgetragen wurden, auf die eigentlichen Kontrahenten USA / UdSSR bzw. NATO / WP überspringen kann.

 

Besonders erschreckend dabei war die Erfahrung, dass der kriegsauslösende „Druck aufs Knöpfchen“, den man immer in den Händen der Regierungschefs wähnt, ganz plötzlich von einsatzleitenden Militärs abhängen kann.

 

Hier war es der sowjetische Offizier Wassili Alexandrowitsch Archipow an Bord eines sowjetischen U-Boots, der sich als einziger (!) des kommandierenden Dreiergremiums an Bord gegen den Abschuss eines nuklearen Torpedos aussprach.

 

Pille - Minirock - Flower-Power

 

Der Mief musste weg: In den 1960er Jahren ging es in Deutschland richtig rund. Durch die Markt-einführung der Antibabypille 1961 erhielt (nicht nur) die Frauenbewegung neuen Auftrieb.

 

Bereits drei Jahre später wirkte die Pille sich auf die Geburtenrate aus (s.o., Grafik in "Rückspiegel"). In der zweiten Hälfte der 60er sank die Zahl der Geburten um ca., 1/3, der Boden dieses Trends sollte erst 1975 (vorläufig) erreicht werden.

 

Wem stand der Minirock besser als dem Sechziger-Jahre-Model Twiggy? Die "teuerste Bohnenstange der Welt" war dazu prädestiniert, den kürzesten Rock der Welt vorzuführen. Das erste Mager-Modell der Mode-Geschichte wurde 1966 zum "Face of the Year" gewählt.

 

Der Summer of Love 1967 markiert sowohl den Höhepunkt der Hippiebewegung, als auch deren Wandel von der Nischen- zur Massenkultur. „Das Ziel der Hippies war eine antiautoritäre und enthierarchisierte Welt- und Wertordnung ohne Klassenunterschiede, Leistungsnormen, Unterdrückung, Grausamkeit und Kriege.“ (Walter Hollstein).

 

Flower Power war das große Thema: In San Francisco trafen sich Tausende junge Menschen im Golden Gate Park, und zelebrierten die freie Liebe, Musik und Drogen als neuen Lebensstil. In kürzester Zeit schwappte die Welle nach Europa über.

 

Marxismus, Psychoanalyse, analytische Sozialpsychologie, die Kapitalismus-, die Klassen- und die Imperialismustheorie waren in jener Zeit Gegenstand leidenschaftlicher Diskussionen. Auch Einflüsse aus anderen Ländern (US-Bürgerrechtsbewegung, Prager Frühling, Studentenrevolte in Paris, etc.) wirkten auf das gesellschaftliche und politische Klima. Hinzu kam, daß die BRD ab 1966 von der ersten GroKo ihrer Geschichte regiert wurde (auch in der gerade beendeten dritten gab die Schwachbrüstigkeit der parlamentarischen Opposition Grund zur Sorge).

 

Nach den Ereignissen beim Staatsbesuch des Schah von Persien (1967) und der unangemessenen Polizeigewalt bei den nachfolgenden Großdemonstrationen kippte das Klima in Richtung Gewaltbereitschaft. Tendenziös-populistische Zeitungen schürten - im Schutz der Jahre zuvor so bravourös verteidigten Pressefreiheit – den Konflikt noch weiter, der Verfassungsschutz selbst lieferte Molotowcocktails für den Angriff auf ein Pressehaus.

 

Für geraume Zeit wird der Konflikt richtig hässlich (auch die Wurzeln der RAF liegen in dieser Zeit). Schließlich hat die junge BRD zum Ende der Sechzigerjahre zwar ihre Unschuld verloren, ist jedoch weit besser für die Herausforderungen der Zukunft gerüstet.

Als 63er Jahrgang war ich zwar damals nur „körperlich anwesend“, maße mir aber dennoch folgende Bewertung an:

 

● zwanzig Jahre hatte sich die Nation vorwiegend um ihre Mägen gekümmert. Es war höchste Zeit einzusehen, dass die junge Republik auch ideelle Werte bot, für die es einzutreten galt. 68 macht Schluss mit dem spießig–bigotten Geist der Adenauer-Ära und verweist die ewig Gestrigen in ihre Schranken.

 

● Die, die aktiv dabei waren haben keinen Grund, desillusioniert zu sein; sie haben viel in den Köpfen (gerade bei zuvor politisch Desinteressierten) verändert.

 

● Letztlich war das Aufbegehren des Bildungsbürgertums bzw. der Mittelschicht überfällig - nicht motiviert von ökonomischen, sondern von moralischen und ideologischen Interessen!

 

Die 68er

 

Namensgebend für die 1968er Bewegung war das Jahr der Entladung eines Konflikts,der sich schon seit Mitte der 60er Jahre in Protesten gegen die überkommenen politischen, kulturellen und sozialen Verhältnisse und Normen abgezeichnet hatte.

 

Im Grunde gehörten die vorgenan-nten Ereignisse, weltpolitische Fehlentwicklungen (kalter Krieg, Vietnam), aber auch innenpolitische Themen wie die Notstandsgesetze zu den zahlreichen Reibungspunkten zwischen der APO und ihren Sympathisanten einerseits und sog. "Establishment" bzw. konservativem Bürgertum andererseits.

 

In der bemannten Raumfahrt hatte die UdSSR mit dem ersten Mann im All 1961 die USA düpiert. Dort war man nun im Zugzwang - spätestens nachdem John F. Kennedy noch im selben Jahr in einer Rede angekündigt hatte, daß die USA „… noch vor Ende dieses Jahrzehnts einen Menschen auf dem Mond landen und ihn wieder sicher zur Erde zurückbringen“ werde.

 

Und tatsächlich glückte dieses phantastische Unternehmen am 20. Juli 1969 mit der Mondlandung von Apollo 11. Wer es damals im Fernsehen verfolgt hat, wird es wohl nie mehr vergessen.

 

Dieses Ereignis krönt die 1960er Jahre kurz vor ihrem Ende und man muß folgendes konstatieren:

 

  • zwar wurden im Rahmen des Apollo-Programms bis 1972 noch 6 weitere Mondflüge (mit 5 Mondlandungen) unternommen,
  • zwar ist heute die Raumsonde Voyager 1 rd. 40 Jahre unterwegs und offenbar noch fit für mindesten 10 weitere, wobei sie (2012) unser Sonnensystem verlassen und den interstellaren Raum erreicht hat - gut 20 Mrd. km von zuhause,
  • zwar hat der Mensch sich inzwischen (mit der ISS.Mission) im Erdorbit häuslich niedergelassen,

 

aber selbst wenn man den noch als vage einzuschätzenden Zeitplan für bemannte Marsmissionen als realistisch annimmt, bleibt es dabei, dass hier 1969 etwas gelungen ist, das für ca. 7 Jahrzehnte nicht mehr getoppt werden wird. Bedenkt man den Fortschritt, den allein die Computertechnologie mittlerweile in einer einzigen Dekade macht, will das schon was heißen!

 

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